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Affektredner

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Zitat: «Affektredner, das sind für uns Menschen, die Behauptungen aufstellen, die ihnen (a) gut gefallen, an denen sie (b) emotional hängen oder von denen sie sich (c) einen Vorteil versprechen und von denen sie (d) keinerlei Ahnung haben, ob sie richtig sind.» - Michael Klein[1]


Michael Klein schreibt über die Situation in deutschen Universitäten und zum Niedergang der Wissenschaft in Deutschland:

Aus dem Land der Dichter und Denker ist das Land der Phantasten und Affektredner geworden.
Bereits in der Vergangenheit [habe ich] in einem Beitrag einen Punkt angetippt[2], den wir als Nukleus der Zerstörung einer auch in Deutschland noch rudimentär vorhandenen Wissenschafts- und demokratischen Kultur ansehen: Die Ausbreitung von Affektrednern nun auch in Universitäten, nachdem Sie bereits weite Bereiche des öffentlichen Lebens durchsetzt haben.
Der entscheidende Punkt an dieser [oben stehenden] Definition ist Punkt (d). Er beschreibt das mutwillige Aufstellen von Behauptungen, für die nicht einmal die Spur eines Beleges vorhanden ist: Vollmundiges Angeben hat man das früher genannt, von Menschen, die den Mund zu voll nehmen, hat man früher gesprochen. Heute scheint das Den-Mund-zu-voll-Nehmen die Normalität geworden zu sein, und was besonders fatal ist, es scheint die Normalität in der Wissenschaft geworden zu sein.
Wer sich mit den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themen beschäftigt, von Fragen der Bildung über soziale Ungleichheit, von politischer Ideologie bis zur Ökonomie, von Management­lehren bis zu Fragen erneuerbarer Energien, der kommt über kurz oder lang nicht umhin eine Gemeinsamkeit zu finden, die alle Bereiche überspannt: Empirische Untersuchungen, in denen eine Fragestellung entwickelt und geprüft wird, sind Mangelware. Wenn es sie überhaupt gibt, dann finden sie sich zumeist in grauen Papieren oder internationalen, nicht jedoch oder so gut wie nicht, in deutschen wissenschaftlichen Zeitschriften.
An dieser Beobachtung ändert auch der häufiger anzutreffende Versuch nichts, Daten in welcher Form auch immer in eine Arbeit einzubauen. Die entsprechenden Versuche sind in der Regel von keinerlei Sachverstand über Fragen der Daten­erhebung getrübt.[3] An die Stelle des entsprechenden Sachverstands tritt die Überzeugung, dass man eklektizistisch ein paar Dinge aus der Empirie entnehmen könne, um die eigene Behauptung zu bestätigen. Mit empirischer Sozialforschung hat dies soviel zu tun wie das Morgengebet im Vatikan.
An Stelle empirischer Arbeiten, die einer Fragestellung und der Prüfung gewidmet sind, findet man eine typisch deutsche Version vermeintlich wissenschaftlicher Arbeiten, die von einem Anliegen des Schreibers getrieben sind und keinerlei Versuch unternehmen, dieses Anliegen mit empirischen Fakten zu konfrontieren. Diese Form deutscher vermeintlicher Wissenschaft gibt es als Verlautbarungswissenschaft und als Affektwissenschaft.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Michael Klein: Land der Phantasten und Affektredner, Kritische Wissenschaft - critical science am 18. Juli 2014
  2. "In der DDR gab es rund 30 Lehrstühle für vermeintlich Philosophie, die doch nichts anderes vorsahen, als die Verbreitung der Staats­ideologie des Marxismus-Leninismus. In der DDR herrscht Mangel, was letztlich darauf zurückzuführen ist, dass sich Wirtschaft nicht planen lässt, auch wenn man es ideologisch noch so gerne hätte.
    In Deutschland gibt es derzeit 189 Lehrstühle für Frauen- und Geschlechter­forschung, deren Zweck darin besteht, den Staatsfeminismus an Universitäten zu verankern, Wissenschaft zu unterminieren und vor allem Sozialwissenschaft gleichzuschalten, als Wissenschaft zu beseitigen und der Indoktrination zugänglich zu machen. Dies wird u.a. deutlich, wenn man die Fachbereiche betrachtet, in denen die Frauen- und Geschlechter­forscher vor allem etabliert wurden." - Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Schwätzer, Kritische Wissenschaft - critical science am 22. April 2014
  3. Vergleiche entsprechende Aussagen von Hadmut Danisch in seinem Blog Ansichten eines Informatikers

Querverweise