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Kulturelle Aneignung

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Kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) ...

Worum es geht? Wikipedia erklärt es kurz und knapp:
Zitat: «Kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) ist ein Begriff aus der US-amerikanischen Critical-Whiteness-Bewegung, die zur Reflexion von Macht- und Diskriminierungs­verhältnissen aufgrund von Hautfarbe anregen will. Bei der kapitalistischen Aneignung werden traditionelle Gegenstände der materiellen Kultur verschiedener Ethnien zur Ware erklärt und ihres Kontextes beraubt.»

Also eigentlich eine ganz wunderbare Sache: Menschen übernehmen von anderen traditionelle Kleidungs­stücke, Gerichte oder Verhaltens­weisen, mischen sie mit den eigenen, entdecken dabei neues, entwickeln sie weiter und haben ihren Spaß: Chinesen essen in Peking Weißwurst, aber natürlich mit Stäbchen. In Italien gibt es Spaghetti-Würstel, unsere heutige Pizza kommt aus den USA, in Afrika und Asien sind Jeans beliebt, Ponchos waren in den 1970er in Europa in Mode und im Moment schießen von Flüchtlingen gegründete arabische Restaurants wie Pilze aus dem Boden. Man kann sich daran stören, wenn man dem Irrglauben anhängt, es gäbe so etwas wie eine stabile, ethnische Kultur, die seit Jahr­hunderten Bestand hat. Menschen waren immer im Austausch miteinander und haben sich ständig gegenseitig beeinflusst. Und klar: Vieles ist dabei unter­gegangen. Ist das schlimm? Nein. Auch Ideen, Mode, Gerichte stehen in einem Wettbewerb. Deutschland heute hat mit dem, was hier noch vor ein paar hundert Jahren war, kaum was zu tun: Die keltische Religion? Ein paar Nazis spielen Druiden, aber keiner weiß genau, an was die Kelten geglaubt haben. Sie hatten keine Schrift, wir wissen es schlicht nicht. Das germanische Recht ist zum Glück auch weg und der Brei, das deutsche Traditions­essen schlechthin, ist fast vollkommen verschwunden. Kaum jemand weint ihm hinterher. Dafür mögen viele auf der ganzen Welt deutsches Brot. Kultur ist ein sich ständig ändernder Mix, sie ist nicht statisch. Aneignung ist der Normalfall. Eingeübt in Jahrtausenden Menschheits­geschichte.

Das kann man problematisieren und als Rassismus stigmatisieren. Und das versucht die Kampagne "Ich bin kein Kostüm" zu tun. Sie übernimmt, mit mehr­jähriger Verspätung eine Kampagne aus den USA, die schon da nicht für weniger Rassismus sorgte, sondern nur dafür, dass es an den Unis Streit gab, wenn Studenten mit einem Sombrero auf dem Kopf feierten, die keine Mexikaner waren. Kein Schwarzer oder Latino starb weniger durch diese Kampagnen bei Gang-Aus­einander­setzungen oder durch Polizei­gewalt. Kein Indianer mehr in den USA fand eine wirtschaftliche Perspektive. Das Elend dieser Menschen hat Tuvia Tenenbom[wp] eindrucksvoll in seinem Buch "Allein unter Amerikanern" beschrieben.

"Ich bin kein Kostüm" ist nicht mehr als staatlich subventionierte Empörungs­industrie. Ein Tummelplatz für Wichtigtuer, die sich um die Lösung harter Probleme drücken und versuchen, anderen ihre verquere postmoderne Sichtweise vorzuschreiben und ganz nebenbei noch Menschen gerne den Spaß verderben.
Das Sich-Verkleiden beim Fasching[wp] ist nun auch rassistisch.
"Ich bin kein Kostüm" heißt es demnächst bei einer Plakat­aktion in Köln. Haremsdame[wikt], Geisha[wp], Othello[wp] ... alles nicht witzig, alles diskriminierend, meinen die Plakat­finanzierer von der Moral­front. Bei dem Motiv mit Indianer wurde ich aber stutzig, ebenso bei den seltsamen amerikanischen Logos rechts unten. Kann nicht sein, sagte ich mir dann und fragte meinen Freund Google, was er davon hält. Die Logos rechts von "Die Linke", "Amadeu-Antonio-Stiftung", Antidiskriminierungs­verband[ext] passen zudem so perfekt ins Bild des institutionalisierten staatlich alimentierten Erziehungs­wahnsinns, dass ich noch weniger glauben konnte, das Meme könne echt sein. Zu viel Klischee! Die werden doch nicht den heiligen Kölner Karneval... Meine Verblüffung war umso größer, als ich festellen musste: doch, sie werden!

Die Sicht einer Kulturwissenschaftlerin:

Zitat: «Cultural Appropriation soll die Aneignung einer Kultur durch Außenstehende bedeuten, sprich etwa eine weiße Person mit Dreadlocks[wp], weiße Person die Rap[wp] hört oder Nicht-Japaner, die Kimonos[wp] tragen. Das sind die gängigsten Beispiele.

Das Problem damit: eine (Sub-)Kultur wird einer begrenzten Personenzahl zugesprochen, die alleine Verfügungs­gewalt hat. Das ist und war schon immer jedoch nicht realistisch. Die Geschichte zeigt, wie sich Kulturen immer wieder ausgetauscht haben, angepasst und übernommen.

Heißt in Fachsprache Kulturtransfer[wp], der in verschiedenen Formen erfolgen kann:

  • Inspiration: etwas wird aus einer anderen Kultur übertragen, aber komplett verändert. Herkunft nicht nachweisbar
  • Adaption: etwas wird übernommen, an die eigene Kultur angepasst und trägt Merkmale beider Kulturen.
  • Übernahme: etwas wird so wie es ist in eine Zielkultur integriert, Herkunft eindeutig nachweisbar

Ziel der Anschuldigungen von C.A. ist ausnahmslos die 3. Kategorie. Wie schon gesagt ist Kultur­transfer jedoch ein wichtiger Bestandteil aller Kulturen und hat stattgefunden, seitdem Menschen Kulturen pflegten. Unser Leben wäre heute nicht so wie es ist ohne Transfer, unsere Kleidung, unsere Gärten, ja auch unsere politischen Systeme sind abgeguckt. Und das ist okay so.

Nun zu meinem eigentlichen Problem mit CA: Es schränkt ein. Und es ist im Prinzip nichts anderes als "wir müssen unsere Kultur rein halten" aus anderer Perspektive. Klar gibt es auch problematische Kultur­aneignungen, wenn eine Kultur bewusst genutzt wird, um ihr zu schaden.

Wenn eine Kultur ausgenutzt wird, um sich an ihr zu bereichern. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass es auch Hommagen gibt, Bewunderung, Zelebrieren von Kultur. Wer als Weißer Dreadlocks trägt, der will der Ursprungs­kultur nicht schaden, sondern zelebriert sie.

Kulturen leben vom Transfer und davon, dass sie weiter getragen werden. Sie stürben, ganz besonders in einer globalisierten Zeit, rasch aus, hinderte man sie am gegenseitigen Austausch.

So radikal das klingen mag, aber wer andere des Rassismus bezeichnet, weil sie etwa einen Kimono tragen, ohne aus Japan zu stammen, der versteht nicht nur Kultur falsch, sondern sollte dringend über seine diskriminierende Sicht nachdenken.

Da bereits einige missverstanden haben, was Kernaussage ist: Es geht NICHT darum, zu sagen, dass es keinen Rassismus gäbe. Es geht NICHT darum zu sagen, Opfer von R. sollten sich "nicht so anstellen". Wer das rein liest, tut das aus Boshaftigkeit oder Ignoranz.

"Bewahrung von Kultur" hat nichts damit zu tun, dass andere sie nicht weiter­tragen dürfen. Das ist der gleiche Quark, den die AfD erzählt von wegen Reinhaltung der Kultur. Es gibt keine reine Kultur. Kultur gehört niemandem, was in beide Richtungen geht.»[3][4]

Reisen bildet. Und meine Weltreisen haben mich sogar nach Bayern und bis ins abgelegene München geführt, wo ich diesen Stammes­ritualen beiwohnen konnte. Das größte Volksfest der Welt ist das Oktoberfest[wp], der Exportschlager schlechthin.

Nur dass die Bayern das nicht für Rassismus halten, wenn andere das nachmachen, sondern die freuen sich drüber und verkaufen wirklich jedem, ausnahmslos jedem Dirndl[wp], Lederhosen und "a Maß Bier". Auch Brezen, Schweinsbraten und Weißwürscht. Da sind die weltoffen.

Und ich war schon auf Oktoberfesten, die auf Bayerisch machen, in Pittsburgh, in San Jose, in Sydney, und das glaubt Ihr jetzt nicht: In Kapstadt. Da gibt's ein Kapstadt-Brauhaus[ext], Bier, Bratwurst, Brezen, Lederhosen.

Und keine Sau beschwert sich über Rassismus.

Weil die Bayern sich darüber freuen, wenn ihre Kultur (oder was man dafür hält) weltweit reproduziert wird. Weil die nicht krampfhaft nach irgendeinem Vorwand suchen, worüber sie sich beschweren können. Bei den Bayern bekommt man keine Rassismus-Vorwürfen, da "kriags't a Maß".

Immerhin weiß man weltweit, was man unter bayerischem Essen zu verstehen hat. In Afrika weiß man es nicht mal selbst.

Ich war vor ein paar Jahren in der Mall of Africa[wp] in Johannesburg, größtes Einkaufs­zentrum der südlichen Hemisphäre. Und dort im Fresstempel. Es gibt dort Hamburger, Pizza, Kebab, Pommes. Als ich mich beschwert und vorgetragen habe, dies sei doch immerhin die Pracht-Mall von Afrika, ich hätte gerne ein afrikanisches Essen, schaute man mich hilflos an: Was denn das wäre, "afrikanisches Essen". Mehr als von Afrikanern zubereitete Pizza und Burger hätten sie leider nicht.

Unsere simbabwische Reiseleiterin und Köchin, die wir dann später auf der Reise hatten, sagte mir dann, dass sie da wirklich nicht viel Typisches haben. Man isst, was da ist, und ist froh, wenn was da ist. Am typischsten sei noch Milibap mit Huhn. Kulinarisch auf einer Stufe mit Haferbrei.

Dabei entsteht natürlich ein falscher Eindruck. Auf keiner Reise habe ich so phantastisch gut gegessen wie in Kapstadt und Namibia. Sie können begnadet gut kochen. In Kapstadt kann man eigentlich blind in die Restaurants und Gaststätten gehen, es war bei mir immer ein Volltreffer zur höchsten Zufriedenheit. Aber halt nichts eigenes, altes, traditionelles. Alles kolonialistisch importiert und erlernt.

Selbst den lächerlichsten Bayern­abklatsch, sogar einen hampelnden Holländer in Lederhosen, assoziiert man noch mit Bier und Bratwurst und Gemütlichkeit.

Afrikaner assoziiert man nur noch mit "Gottogott, Rassismus, schnell weg damit".

Es gab mal eine Zeit, da hat man Schwarze aus Afrika wenigstens noch mit lecker Schokolade assoziiert, den Sarotti-Mohr[wp]. Aber das wollten sie ja auch nicht.

Twitter-Video (1:28 Min.)

Braids[wp] mit Perlen in den Haarspitzen verziert.


Wenn Weiße Filzlocken[wp] oder Rastazöpfe[wp] tragen, dann wird das "Kulturelle Aneignung" geschimpft, gilt als "rassistisch" und "böse".

Wenn hingegen Schwarze sich weiße Kultur aneignen, dann gilt das als "progressiv" und "gut". (Siehe Video links)

Blogger Hadmut Danisch bemerkt dazu: "Wir treten gerade in ein Zeitalter einer neuen Apartheid ein." und "Ständig fühlen sie sich diskriminiert, aber es kommt überhaupt nichts anderes als ständig nur zu versuchen, die Plätze von Weißen einzunehmen, Weiße zu imitieren. [...] Letztlich besteht die gesamte Schwarzen­förderung nur in einer Art Weißseins- und Weiß-Teilhabe-Lehrgang, ähnlich wie beim Feminismus."[6]

Whoopi Goldberg[wp] mit Dreadlocks[wp].

Einzelnachweise

Netzverweise