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Wokeismus

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Hauptseite » Sprache » Wörterbuch » Wokeismus

Der Begriff Wokeismus ist eine Fremdbezeichnung für linke Identitätspolitik, vorzugsweise inter­sektional.[1]

Theorie der Wokeness-Bewegung

Der Wokeness-Kritiker James Lindsay[wp] hat am 25. Dezember 2020 den bahnbrechenden Text "Psychopathy and the Origins of Totalitarianism"[ext] - Psychopathie und die Ursprünge des Totalitarismus - veröffentlicht, der als Theorie der Wokeness-Bewegung vollständiger ist als alles, was ich bis dahin darüber gelesen hatte. Ich glaube, dass diese Theorie und ihr zentrales Konzept, Pseudo-Realität, für das Verständnis des Phänomens und für Widerstand dagegen äußerst nützlich sein können. Im Folgenden gebe ich daher Lindsays Überlegungen wieder, wie ich sie verstehe. Teilweise bin ich dabei nahe am Originaltext, an anderen Stellen habe ich eigene Erläuterungen oder Beispiele hinzugefügt, wo ich es für sinnvoll hielt. Lindsays Text ist sehr dicht und abstrakt und daher etwas mühsam zu lesen. Ich ziele hier nicht darauf, dieselbe Dichte zu reproduzieren, sondern will vor allem die Kerngedanken in einer relativ leicht verständlichen Form auch im Deutschen verfügbar machen.

Der Begriff Pseudo-Realität ist keine Erfindung von Lindsay, sondern stammt aus dem Aufsatz "Missbrauch der Sprache, Missbrauch der Macht" des Philosophen Josef Pieper[wp] aus den frühen 1970er Jahren. Er handelt davon, dass Menschen (Sophisten[wp]) Sprache manipulieren können, um sich Macht anzueignen, und die Sprache damit korrumpieren, und damit sind wir beim Thema. Lindsay stellt fest, dass sich viele Gräuel der Geschichte auf die Entstehung von Pseudo-Realitäten zurückführen ließen. Pseudo-Realitäten führen unausweichlich zu Tragödien, und zwar in dem Maß, in dem die, die an sie glauben, Macht in die Hände bekommen. Und genau dies, Macht, ist ihr primäres Interesse.

Pseudo-Realität als Machtquelle

Pseudo-Realitäten sind falsche Konstruktionen der Wirklichkeit, die ein ober­flächlich plausibles, aber falsches Verständnis von ihr abbilden. Es sind unwahre Erzählungen über die Beschaffenheit der Welt, die sich tarnen, indem sie sich an vereinzelten Körnchen Wahrheit festmachen, wie ein Bündel Falschgeld unter einer echten Note, die sichtbar ganz oben liegt. Es sind Unwahrheiten, die von der Warte einer oberflächlichen und selektiven Wahrnehmung aus wahr aussehen.

Die Videos von George Floyds Verhaftung und Tod sind Realität; die Theorien des all­umfassenden Rassismus, die damit in die Köpfe geschmuggelt werden, sind Pseudo-Realität. Man erkennt das bei näherer Betrachtung erstens daran, dass die Behauptungen der Pseudo-Realität sich selbst widersprechen[ext], und zweitens daran, dass sie falsche Tatsachen behaupten oder suggerieren, in diesem Fall vor allem die, dass Weiße in den USA aus rassistischen Gründen massenhaft Schwarze töteten. Die Statistiken zeigen, dass das nicht wahr ist.[ext] Das "Patriarchat" im feministischen Sinn wäre ein weiteres Beispiel. Realität ist, dass die meisten Macht­positionen von Männern besetzt werden. Pseudo-Realität ist, dass daraus abzuleiten sei, dass alle oder die meisten Männer an dieser Macht teilhätten oder dass das Verhältnis zwischen den Geschlechtern grundsätzlich und überall von einem Machtgefälle zugunsten der Männer gekennzeichnet sei. Um dies daraus abzuleiten, muss man beispielsweise unterschlagen, dass auch viele status­niedrige und anderweitig unattraktive Arbeiten vornehmlich von Männern ausgeführt werden, während jene mächtigen Männer zwar sehr sichtbar sind, aber zahlens­mäßig nur eine kleine Gruppe darstellen. Realität ist, dass es Transsexuelle gibt; Pseudo-Realität ist, dass die Zwei­geschlechtlich­keit eine beliebige, zu Unter­drückungs­zwecken geschaffene "soziale Konstruktion" sei.

Was haben die Urheber einer Pseudo-Realität davon, sie zu erfinden und zu verbreiten? Hier wird es interessant. Lindsay behauptet, dass es sich bei den treibenden Kräften um Individuen mit bestimmten Psycho­pathologien handele, die sie unfähig machen, mit den Realitäten des Lebens zurecht­zu­kommen. Die Pseudo-Realität hilft ihnen, trotz dieser Unfähigkeit ein Leben in Gesellschaft zu führen, vielleicht sogar ein erfolgreiches, und dabei eine bewusste Konfrontation mit der eigenen Pathologie zu vermeiden.

Hieran wird erkennbar, wie das Machtstreben der Anhänger einer Pseudo-Realität ins Spiel kommt, das ihr primärer Antrieb ist. Wenn ich der einzige bin, der an eine Pseudo-Realität glaubt, komme ich unter die Räder, bin mehr oder weniger auf ein Schatten­dasein beschränkt und kann langfristig kaum der Frage ausweichen, ob mit mir etwas nicht stimmt. Wenn ich aber andere manipulieren und nötigen kann, an meiner Pseudo-Realität teilzunehmen, dann kann ich es mir halbwegs behaglich mit meiner Pathologie einrichten und ein aktives, soziales Leben führen, sogar ein privilegiertes im Schein­werfer­licht; nicht trotz meines manipulativen Verhältnisses zur Wirklichkeit, sondern dank ihm.

Pseudo-Realitäten sind soziale Fiktionen, die nicht deswegen überleben, weil sie mit der Realität korrespondieren, sondern weil genug Menschen an sie glauben oder ihnen zumindest nicht entgegen­treten. Es sind Macht gewährende linguistische Verzerrungen der Realität. Sie erfordern umgekehrt Macht, Manipulation und letztlich Gewalt zu ihrer Aufrecht­erhaltung. Somit sind sie "eine natürliche Spielwiese für Psychopathen" (Lindsay).

Pseudo-Realität und Psychopathie

Der das Konzept Psychopath/Psychopathie hier eine zentrale Rolle spielt, zitiere ich einen Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel, der es gut auf den Punkt bringt:

Zitat: «Psychopathie bezeichnet heute eine schwere Persönlichkeits­störung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei können sie sehr manipulativ sein, um ihre Ziele zu erreichen.» - Wikipedia

Fehlen von Empathie, Fehlen von Gewissen/Schuld­bewusstsein und manipulatives Verhalten - man sieht sofort, wie das zu bestimmten Typen von Aktivisten passt und wie die Annahme bestimmter Ideologien zum geeigneten Mittel werden kann, diese Eigenschaften auszuleben.

Immer wieder staunen Beobachter der Wokeness über die Neigung ihrer Vertreter zur Projektion. Mit verblüffender Regel­mäßigkeit werfen sie den von ihnen Angegriffenen alle möglichen Eigenschaften und Verfehlungen vor, die bei ihnen selbst hervor­stechen - ein Extrem­beispiel ist die Häufung männlicher Feministen, die Frauen missbrauchen[ext]. Andere prominente Beispiele sind Vorwürfe von Rassismus und Sexismus, Lügen und Manipulation, Hass und Hetze oder der Einschüchterung von Gegnern durch Online-Mobs. Doch das beste und wichtigste Beispiel ist das Thema Macht selbst.

Für Social-Justice-Aktivisten besteht die ganze soziale Wirklichkeit tendenziell nur aus Macht­streben und Macht­ausübung. Dies ist eine arg verkürzte, ins Zynische verzerrte und meist schlicht falsche Deutung sozialer Wirklichkeit, wo Macht(streben) ein Faktor ist, aber eben nur ein Faktor unter vielen. Die Aktivisten selbst sind in ihrer aktivistischen Tätigkeit allerdings hauptsächlich von Machtstreben geleitet und projizieren dies auf die normale soziale Wirklichkeit.

Hier sieht man auch, wie die Projektion als Rechtfertigung und Befreiung von Schuld funktioniert. Sie sind Täter, die sich als Opfer der Umstände sehen und einfordern, auch von anderen als solche gesehen zu werden. Diese Opferrolle nutzen sie als Machtmittel, wann immer sie für ihre Täterschaft zur Rede gestellt oder zur Verantwortung gezogen werden, und machen damit die, die sie zur Verantwortung ziehen (wollen), zu Tätern. Indem sie alles menschliche Verhalten als Macht­ausübung interpretieren, erscheint innerhalb ihrer Pseudo-Realität ihr eigenes Verhalten nicht als Macht­ausübung, sondern als Befreiung von der Macht­ausübung anderer. Diese Umkehrung funktioniert im Kleinen wie im Großen. Sie charakterisieren die freiheit­lichen Gesellschaften als durch und durch tyrannisch und ihre eigene totalitäre Agenda als einzige Möglichkeit zur Befreiung von dieser Tyrannei.

Funktionale Psychopathen und nützliche Idioten

Menschen, die die Pseudo-Realität bewohnen, werden funktional psycho­pathisch. Sie nehmen ein psycho­pathisches Verhalten an, das sie nicht isoliert oder in der Psychiatrie enden lässt, sondern sozialen Erfolg und Aufstieg in Machtpositionen ermöglicht. Hier ist also in zweifachem Sinn von Psychopathie die Rede - einmal von der echten Psychopathie von Akteuren im inneren Kreis, also den Erfindern, wahren Gläubigen und Fanatikern der Pseudo-Realität, und der funktionalen Psychopathie derjenigen, die zunächst geistig gesund sind, aber psycho­pathische Eigenschaften annehmen, indem sie unter dem Einfluss der Ideologen ihr Verhalten an einer psycho­pathischen Theorie der Wirklichkeit ausrichten.

Das Funktionale an dieser Psychopathie zeigt sich auch darin, dass Pseudo-Realisten von normalen Menschen meist zunächst für normal gehalten werden. Das ist ein zentraler Mechanismus der Ausbreitung der Pseudo-Realität, der dafür sorgt, dass nur wenige sich ihr entgegen­stellen, und es denen schwer macht, die es tun. Normale Menschen unterstellen zunächst, dass es sich bei den Pseudo-Realisten ebenfalls um normale Menschen handele. Daher unterstellen sie auch, dass sie mit ihren Thesen etwas Sinnvolles und Vernünftiges meinen müssten, auch wenn es in weiten Teilen nicht so klingt. Beispielsweise ist es erstaunlich schwierig, normale Menschen davon zu überzeugen, dass eine Bewegung, die sich unter Losungen wie "Kill all Men" und "Men are Trash" versammelt, womöglich nicht vernünftig und wohlwollend ist.

Normale Menschen im Wirkungskreis der Pseudo-Realität liefern somit Tarnung und Deckung für die radikalen, pseudo-realen Behauptungen und Forderungen der Pseudo-Realisten. Deren Gedanken­gebäude machen einem dieses Rationalisieren und Schönreden leicht, indem sie meist ein vernünftiges X mitbringen, hinter dem sie ihr weniger vernünftiges Y verstecken können, wenn nötig. Deswegen haben alle wichtigen Begriffe, die sie verwenden, doppelte Bedeutungen, die eine Motte-Bailey[wp]-Strategie ermöglichen.[2] Lindsay charakterisiert die wohlwollenden, eigentlich gesunden und intelligenten Menschen, die darauf hereinfallen, als "nützliche Idioten".

Zielgruppen der Pseudo-Realität

Pseudo-Realitäten sind Missbrauch von Sprache, der Missbrauch von Macht ermöglicht. Sie sind daher attraktiv für Menschen mit sprachlichem Geschick, die ein Bedürfnis nach Kontrolle über andere haben, und vielleicht sonst nicht viele nützliche Talente. Wenn eine Pseudo-Realität einmal angefangen hat, Wurzeln zu schlagen, zieht sie weitere solche Personen an, die die Fähigkeit und Bereitschaft mitbringen, sich durch die Manipulation von Diskursen Macht und Ressourcen anzueignen.

Die primäre Zielgruppe der Pseudo-Realität bilden Mittel­schichts-Akademiker, wie sie in hoher Zahl im Wissenschafts­betrieb, in den Medien, im Bildungs­system und in der Politik anzutreffen sind. Hier ist der primäre Resonanzraum, in dem die Pseudo-Realität funktioniert. In diesen Kreisen beruhen Status und Erfolg stark auf dem Ansehen und der Billigung der Peer Group. Deshalb kann eine Pseudo-Realität dort mehr zum Medium von Karriere- und Macht­streben werden als anderswo, wo es wichtiger ist, dass Vorstellungen von der Realität dieser auch entsprechen. Diese Menschen reagieren besonders empfindlich auf die Gefahr, dass Standes­genossen ihre Intelligenz, Bildung oder moralische Integrität in Frage stellen könnten, da ihr Selbstwert­gefühl und ihr Status stark von diesen Qualitäten abhängen. Sie wollen sich um keinen Preis nachsagen lassen, zu dumm zu sein, um die Theorie zu verstehen, die in der guten Gesellschaft als wahr und richtig gilt, oder moralisch dem Pöbel nahezustehen, der sie - gewiss aus Dummheit oder Rohheit - ablehnt. Sie lassen sich daher leicht von den Angriffen und Forderungen der Pseudo-Realität unter Druck setzen, auch wenn sie zunächst nicht gläubig sind. Wann immer sie diesem Druck nachgeben, rationalisieren sie dies nachträglich (d.h. denken sich "gute Gründe" dafür aus - ein normaler Vorgang der Dissonanz­reduktion) und mauern sich damit fester in die Pseudo-Realität ein. So verlieren sie allmählich die geistigen Ressourcen, die nötig sind, um sie in Frage zu stellen, während sie zugleich äußerlich von ihren Peers abhängig bleiben, was ein ständiger starker Anreiz ist, sie nicht in Frage zu stellen.

Die Verzerrungen der Realität sind missbräuchliches, manipulatives Verhalten. Sie manipulieren die Verletzlichkeit von Menschen, was eine bekannte Technik der Sekten­rekrutierung ist. Sie bestärken Menschen in ihrem Gefühl der Verletzung, um sie für den Kampf gegen "das System" zu gewinnen, das an der Verletzung schuld sei, und um ihre Theorie als Lösung zu präsentieren. Je mehr Verletzung, desto manipulierbarer, desto besser. Statt verletzten Menschen bei der Heilung zu helfen, hämmert man ihnen ein, dass ihre Verletzung ein Normalzustand und unermesslich groß und tief sei und erst in der verwirklichten Utopie überwunden werden könne. Die Mission besteht darin, allen Menschen klarzumachen, dass sie in dieser Weise zutiefst verletzt und beschädigt seien. (In der Theorie stellt bereits die Sozialisierung in "Systeme des Rassismus" sowie das sozial konstruierte Unter­drückungs­system der Zwei­geschlechtlich­keit und Heterosexualität hinein eine solche tiefe Verletzung und Beschädigung aller dar.)

(Kein Witz) (Witz)

Diese Manipulation wirkt am effektivsten auf tatsächlich emotional Verletzliche und psychisch Kranke, insbesondere solche, die Schwierigkeiten haben, mit den Regeln und Härten der Realität zurecht­zu­kommen, sowie auf Naive, Wütende und Enttäuschte. So kann die Pseudo-Realität eine Masse von Sympathisanten aufbauen, von denen einige ihre Psycho­pathologien übernehmen. Dies ist die Alchemie des pseudo-realistischen Projekts: sonst normale Menschen in psychologisch, emotional und spirituell gebrochene Erfüllungs­gehilfen zu verwandeln, die nicht mehr mit der Realität umgehen können und daher die Pseudo-Realität bevorzugen müssen, und diese Menschen strategisch einzusetzen.

Beweislastumkehr und Kontrolle

Pseudo-Realisten behaupten, man müsse die Welt durch eine bestimmte theoretische Linse, mit einem bestimmten ("kritischen") Bewusstsein, aus einem bestimmten Blickwinkel wahrnehmen, um sie richtig wahrzunehmen, und wirft Außen­stehenden vor, dazu unfähig zu sein. So wird zwischen Sehenden und Blinden unterschieden, zwischen denen mit kritischen und denen mit falschem Bewusstsein, denen, die wach seien, es verstanden hätten, und den Ignoranten etc. Die Beweislast liegt plötzlich bei denen, die die Realität bewohnen, denen ständig entgegen­gehalten wird, sie hätten die Theorie nicht verstanden und sich nicht genug damit aus­einander­gesetzt. Je mehr sich das totalitäre System manifestiert, desto mehr wird aus dem Vorwurf des Unverständnisses der Vorwurf, sich der Wahrheit böswillig zu verweigern. Dieser Böswilligkeit kann man dann auch mit Strafe und Zwang zuleibe rücken, also mit Gewalt.

Der oberste Zweck von Pseudo-Realitäten ist, wie erwähnt, ihren Teilnehmern Macht zu verschaffen. Das tun sie auf verschiedene Weise. Etwa indem sie eine Doppelmoral zum Vorteil der Zugehörigen etablieren und moralisch-linguistische Fallen stellen. Zu letzteren gehören Begriffe mit Doppel­bedeutungen (Motte/Bailey) sowie das Unter­druck­setzen mit Beweislast­umkehr und Kafka­fallen (z.B. White Fragility[ext] - das Bestreiten deines Rassismus beweist deinen Rassismus).

Für diejenigen, die von den Pseudo-Realisten kontrolliert und tyrannisiert werden und nicht an die Pseudo-Realität glauben, ist es demütigend und demoralisierend, zur Teilnahme an einer Lüge gezwungen zu sein. Doch eine Pseudo-Realität kann nur als solche existieren, wenn nicht für jeden sofort offensichtlich ist, dass sie nicht echt ist; sie muss eine gewisse ober­flächliche Plausibilität haben. Daher ist es eine schwierige und frustrierende Aufgabe, ihre Verzerrungen sichtbar zu machen, und der Versuch stößt nicht nur auf den erbitterten Widerstand der Anhänger, sondern auch auf den der nützlichen Idioten.

Utopismus

Das kleinste Beispiel für eine Pseudo-Realität wäre die Wahnwelt eines Psychiatrie-Patienten. Sein Wahn wird normalerweise behandelt, nicht belohnt und befördert. Doch es ist denkbar, dass er mit rhetorischem Geschick einige Menschen davon überzeugen kann, dass seine Pseudo-Realität eine bessere Deutung der Realität sei als die normale. Dadurch rutscht er in eine Macht- und Führungs­position und sein Wahn wird belohnt und befördert. Noch eine Stufe höher kann eine sektenhafte Pseudo-Realität zur globalen sozialen Bewegung werden.

Dazu müssen nur zwei weitere Annahmen zutreffen. Erstens die, dass eigentlich gesunde Menschen verführt und manipuliert werden können, an eine Pseudo-Realität zu glauben. Zweitens die, dass Sekten ideologisch und vor allem utopisch werden können. Utopisch sind sie, wenn sie darauf ausgerichtet sind, in ferner Zukunft eine ideale Gesellschaft zu schaffen. Dies stellen sie als weiten Weg dar, dessen erfolgreiche Beschreitung aber gleichwohl möglichst bald eine Revolution erfordere.

Ein solcher utopischer Endpunkt der Gesellschafts­entwicklung spielt eine wichtige Rolle im Denken der woken Ideologen. Ihr pseudo-realistisches Denken nähert sich der Wirklichkeit stets von diesem utopischen Endpunkt her und versteht sie dadurch systematisch falsch. Sie denken sich eine (sehr diffuse) perfekte Gesellschaft und erfinden pseudo-reale Gründe dafür, dass diese perfekte Gesellschaft noch nicht verwirklich ist. Um die realen Gründe dafür ans Licht zu heben, dass die Gesellschaft nicht perfekt ist, müsste man sich gewissenhaft mit der Realität aus­einander­setzen. Doch das ist genau das, was die Pseudo-Realisten meiden und nicht können, weil es ihre Illusionen platzen ließe und ihre Pathologien, ihre (auch moralischen) Fehler und ihre Probleme sichtbar machen würde. Sie brauchen die perfekte Gesellschaft gerade deshalb, weil sie mit der bestehenden nicht zurechtkommen und es vermeiden, sich mit den wirklichen Gründen dafür zu konfrontieren. Die Pseudo-Realität ist eine Möglichkeit, in diesem Zustand zu verharren und trotzdem mehr oder weniger erfolgreich - wenn auch zornig und unglücklich - in der Welt zu existieren.

Die Strategie ist, so viele Menschen wie möglich zu verführen, zu nötigen oder zu zwingen, die eigene Pathologie zu übernehmen, so dass man mit ihr nicht mehr so allein ist und Regeln des Zusammenlebens einführen kann, in der sie die Norm ist. Utopistische Ideologien sind psychopathisch.

Paralogik und Paramoral

Da sie nicht wahrheitsgetreu mit der Realität korrespondiert, lässt sich eine Pseudo-Realität nicht in logischen Begriffen beschreiben. Sie verwendet für ihr Denken über die Welt eine Paralogik, die Struktur und Regeln hat, aber keine logischen Ergebnisse hervorbringen kann und in sich widersprüchlich ist. Teile von ihr sind in sich logisch, aber sie lassen sich nicht zu einem logisch kohärenten Ganzen zusammen­setzen. Doch durch den oberflächlichen Anschein der Logik lassen sich normale Menschen manipulieren, eine Logik in die Pseudo-Realität hinein­zu­inter­pretieren, die nicht da ist, und sie vernünftiger erscheinen zu lassen, als sie ist (nützliche Idioten, s.o.). Das Hereinfallen der "sehr klugen Leute", wie Lindsay sie auch nennt, auf die Manipulation ist entscheidend für den Erfolg der Pseudo-Realität, da die Gruppe der wahren Gläubigen immer verhältnismäßig klein sein wird.

Die paralogische Struktur ist alchemisch, da es ihr Ziel ist, eine Sache in eine ganz andere zu verwandeln: die Realität in einen perfekten utopischen Zustand. Dass sie dahin führe, kann nie widerlegt werden, da ihre Vertreter immer behaupten werden, dass etwas falsch gemacht worden sei. Wo immer die Pseudo-Realisten an der Macht sind und die Umsetzung ihrer Ideen nur Zerstörung hervorbringt, ist etwas falsch gemacht worden. Richtiger Kommunismus wurde nie versucht.

Die Pseudo-Realität nutzt zu ihrer Durchsetzung eine zu ihr gehörige Paramoral. Dies ist ein sozial wirksames Moralsystem, das eine Umkehrung herkömmlicher Moral darstellt. Die Paramoral lässt Anhänger als gut und normale Menschen als böse erscheinen. Dieses Phänomen der Umkehrung dessen, was man unter anständigem Verhalten versteht, lag Anfang 2020 dem Witz des "New Guy"-Mems zugrunde[ext].

Die Paramoral vergleicht alles und jeden mit dem perfekten utopischen Zustand. So erscheint jeder, der ihr widerspricht oder von ihrem Programm abweicht, als jemand, der den leidvollen, unperfekten Zustand der Welt beibehalten will und somit irrational, dumm oder böse sein muss. Die Vertreter der Pseudo-Realität handeln in dem Glauben, auf einen perfekten Weltzustand hinzuarbeiten, was ihr Handeln automatisch als moralisch richtig ausweist, auch wenn sie lügen, belästigen, beleidigen, verletzen und so weiter. Es ist das Prinzip "Der Zweck heiligt die Mittel", und dieser Zweck, den leidvollen, ungerechten Zustand der Welt zu beenden, sticht alle anderen Zwecke und heiligt daher letztlich auch alle Mittel.

Die Paramoral etabliert zweigeteilte Varianten von Tugenden wie Toleranz, Akzeptanz, Mitgefühl, Fairness und Kompromiss. Dies ist eine extreme, am Ende absolut gesetzte Variante der im Politischen oft zu beobachtenden Doppelmoral. Für die Vertreter der Pseudo-Realität ist die Anwendung und Geltung dieser Tugenden immer genau dort äußerst wichtig, wo sie der Pseudo-Realität dienen (Heiligung von George Floyd), und streng verboten, wo sie das nicht tun (Ignorieren unzähliger schwarzer Kriminalitäts­opfer und der ursächlichen sozialen Probleme). Die Paramoral wird mit totalitärer Strenge durchgesetzt. Dies ist nötig, um sie aufrecht­zu­erhalten, da sonst leicht zu erkennen wäre, dass sie eine Lüge und unmoralisch ist.

Die Paramoral ist eine Inversion der Moral, die sich moralischer als gewöhnliche Moral anfühlen kann, aber tatsächlich bösartig ist, da sie mehr Leiden und Konflikt in die Welt bringt. Sie dient Menschen mit bestimmten Psychopathologien, die nicht mit den Unannehmlichkeiten der Realität umgehen können. Sie gewinnt daher am leichtesten an Stärke, indem sie an das Opfertum solcher Personen appelliert, und an diejenigen mit ähnlichen Erfahrungen, die damit bislang würdevoller umgegangen sind.

Paralogik und Paramoral sind die Fäden, an denen die Illusion der Pseudo-Realität hängt. Sie müssen durchtrennt werden, um sich aus ihrem Bann zu befreien. Man muss sichtbar machen, dass es nicht wahr ist und dass es unmoralisch ist.

Die Partei

Da die Pseudo-Realität nicht real ist, können ihre Bewohner ihre Aussagen bzw. Glaubens­sätze nicht selbst nachprüfen. Daher entscheiden Spezialisten über Richtig und Falsch. Sie sind die Schöpfer und wahren Gläubigen der Pseudo-Realität, die revolutionäre Avantgarde und die Partei, die immer recht hat. Sie biegen und drehen die Paralogik so, dass sie recht behalten, und die Paramoral so, dass sie immer tugendhaft sind. Die Fähigkeit dieses Biegens und Drehens wird permanent getestet, und zwar umso strenger, je weiter man in elitäre Kreise aufsteigt.

Die Partei kann der Pseudo-Realität den größten Machtgewinn abringen, wenn die Paralogik so unlogisch und die Paramoral so unmoralisch ist, wie sie jeweils gerade noch sein kann, ohne dass die Illusion platzt. Die Realitäts- und Vernunft­ferne ist bereits an sich eine potente Waffe der Demoralisierung von Gegnern und Beherrschten. Mangels Bezug zu Realität und Logik wird der Diskurs der Herrschenden immer willkürlicher, während die Willkür selbst eine Macht­ressource ist, weil sie den Beherrschten die Möglichkeit nimmt, sich auf die geltenden Regeln einzustellen.

Die Partei findet stets Sünden­böcke für ihre Misserfolge. Letztere sind garantiert, da die Pseudo-Realität nicht real ist. Die üblichen Verdächtigen sind innere Feinde und Saboteure aller Art, die sich dem revolutionären Projekt entgegen­stellen. Um sie aufzuspüren, sind die Sicherheits­organe ständig auf der Suche nach Verschwörungen, Spionen und sozialen Gruppen mit falschem Bewusstsein. Aber der ultimative Sündenbock ist am Ende die Partei selbst. Wenn die Pseudo-Realität zusammenbricht, was unausweichlich ist, wird rückblickend die Partei selbst beschuldigt, von der reinen Lehre abgefallen zu sein, durch falsche Denkweisen, falsche Moral korrumpiert gewesen zu sein usw. Das war kein richtiger Kommunismus. So überleben Paralogik und Paramoral den eigenen Tod und können in der liberalen Gesellschaft bei passender Gelegenheit wieder Fuß fassen.

Konzentration und Ausbreitung der Psychopathie

Psychopathische Ideologien haben selbst­konzentrierende Wirkungen. Sie locken ähnlich psychopathische, opportunistische Schwindler an, die dann den engeren Kreis der Partei bilden. Sie reduzieren die psychologischen Kapazitäten aller, die mit ihnen in Berührung kommen, und zwar durch verschiedene Formen der Demoralisierung, darunter Para­moralisierung, Ostrazismus und dialektische Fallen.

So verwandeln psychopathische Ideologien sonst normale Menschen (zumindest vorübergehend) in funktionale Psychopathen. Auch abgesehen von Demoralisierung und Destabilisierung durch Entfremdung von der Realität erzeugt die Teilhabe an einer psycho­pathischen Ideologie psycho­pathisches Verhalten. Dieses ist ein Erfordernis der Aufrecht­erhaltung der Paralogik (um innerhalb der Pseudo-Realität nicht als Idiot dazustehen) und der Paramoral (um innerhalb der Pseudo-Realität nicht als schlechter Mensch dazustehen). Man wird allmählich zu dem Monster, das zu bekämpfen man nicht stark genug war. Tugenden wie Toleranz werden absichtlich pervertiert (zweigeteilt), so dass sie allmählich immer mehr die psycho­pathischen Tendenzen verstärken.

Die Mangelhaftigkeit der Paralogik, die Willkür der Partei und die Dissonanzen um die Pseudo-Realität erzeugen eine ähnliche Unruhe im normalen Menschen, wie sie die Pseudo-Realität bei den pathologischen Individuen abstützt und tarnt. Dies hilft bei Rekrutierung, Indoktrination und Reprogrammierung. Die Betroffenen merken nicht, dass sie reprogrammiert werden und sich psychopathisch verhalten, solange sie sich nicht von Paralogik und Paramoral lösen. Sie sind realitätsinvertiert und halten die Normalen für Psychopathen und sich für die Normalen. Die Pseudo-Realität bewirkt eine vollständige Umkehrung dessen, was es heißt, geistig gesund zu sein.

Zusammenfassung

Die Ausbreitung der Pseudo-Realität ist eine Drift in den Totalitarismus. Treibende Kraft sind psycho­pathische Individuen, die aufgrund ihrer Psycho­pathologien nicht dazu in der Lage sind, sich mit der komplizierten Realität mit ihren Schwierigkeiten und Härten aus­einander­zu­setzen. Statt ihren Schwächen, Verletzungen und Problemen ins Auge zu sehen, projizieren Sie die Pathologie nach außen, nach dem Muster: Nicht ich bin es, dem etwas fehlt, sondern die Welt ist korrupt und diese Korruption ist Ursache meines Leidens, meiner Unzufriedenheit und meiner Unfähigkeit, meinen Platz auf dieser Welt zu finden. Wäre die Welt nicht korrupt, könnte ich gut in ihr leben.

Die Vorstellung der nicht korrupten Welt wird in der ausformulierten Ideologie zur utopischen Vision, auf deren Verwirklichung das Wirken der Pseudo-Realisten gerichtet ist. Wie die Utopie und der Weg zu ihr genau aussehen, können sie nicht sagen, weil die perfekte Welt dafür zu wenig Realitäts­bezug hat. Um reale Probleme zu lösen, muss man sich intensiv und ehrlich mit diesen Problemen, also mit der Realität beschäftigen, und gerade dies vermeiden Pseudo-Realisten. Ihre Aus­einander­setzung mit der Realität beschränkt sich im Wesentlichen darauf, Beweise dafür zu sammeln, dass die Welt durch und durch korrupt sei und nichts als Leiden hervorbringe. Dadurch können sie erstens ihren persönlichen Problemen ausweichen - es liegt nicht an mir, die Welt ist schlecht, ich bin gut, ich bin rein - und zweitens andere verführen und nötigen, an ihrer Pseudo-Realität teilzunehmen. Verführen, indem sie reales Leiden betonen und ihr Ideologie­angebot als Lösung dafür verkaufen, und nötigen, indem sie Menschen beschuldigen, die korrupten, Leiden verursachenden Verhältnisse zu verteidigen, und sie so moralisch und später sozial unter Druck setzen.

Bei alldem kommt der Pseudo-Realität zugute, dass normalen Menschen meist das nötige Vorstellungs­vermögen und vielleicht auch die Courage fehlt, um sich die Tiefe der Pathologie klarzumachen, die sich hier manifestiert.

Pseudo-Realität setzt an wahrnehmbaren Realitäten an und dichtet eine schräge theoretische Deutung dazu. Die gewöhnliche Reaktion nicht pathologischer Individuen besteht darin, die schräge theoretische Deutung im eigenen Kopf durch eine weniger schräge zu ersetzen, soweit Worte und Handlungen der Pseudo-Realisten das irgend zulassen, anzunehmen, dass sie eigentlich diese meinten, und das Ganze auf dieser Grundlage zu verteidigen.

Eine Drift in den Totalitarismus ist dies deshalb, weil die Menschen mehrheitlich im Großen und Ganzen normal sind und eine natürliche Tendenz haben, sich an der Realität fest­zu­halten oder zu ihr zurück­zu­streben, während die Pseudo-Realisten in die Utopie wollen, also genau in die andere Richtung. Eine Pseudo-Realität aufrecht­zu­erhalten und voran­zu­treiben erfordert einen ständigen Energie­aufwand in Form von Propaganda, Zwang und Repression[wp]. Die Vertreter der Pseudo-Realität können Realität in ihrem Machtbereich nicht dulden. Sie können es subjektiv nicht, weil die Erkenntnis der Realität ihnen ihre eigene Pathologie vor Augen führen würde, was schmerzhaft und desorientierend wäre, und sie können es strategisch nicht, weil jedes Eindringen der Realität die Illusion der Pseudo-Realität und somit ihre Machtbasis erschüttert. Sie werden daher immer so unumschränkt herrschen, wie sie können, also wie man sie lässt. Solange folglich die Kräfte der Ausbreitung stärker sind als die der Eindämmung, ist totale Herrschaft der Fluchtpunkt der Entwicklung.
- Sebastian Wessels[3]
Ein zentraler Mechanismus der Wokeness-Ideologie beruht auf dem strategischen Einsatz von Begriffen mit doppelten Bedeutungen. Alle ihre tragenden Begriffe treten in mehreren Bedeutungs­varianten auf, die von unter­schiedlicher theoretischer (bzw. theologischer) Tiefe und in unterr­schiedlichen Phasen der Indoktrinierung anschluss­fähig sind. Die mehr ober­flächlichen, naiven Bedeutungen sind ansprechend für Neulinge und anschluss­fähig an den Liberalismus; die tieferen bilden die Gedankenwelt der fort­geschrittenen Ideologen, die sich von derjenigen normaler Menschen im Liberalismus drastisch unterscheidet. Die Doppelbegriffe tarnen diese Realitäts­ferne der Theorie und Forderungen, und verkleiden sie zunächst als etwas Harmloses. Je tiefer man dann in die Theorie und zugehörigen Kreise eintaucht, desto mehr wird man mit den weniger harmlosen Gehalten vertraut. Dieser Mechanismus ist für das Verständnis der "Social Justice"-Ideologien und der Mechanismen ihrer Verbreitung wesentlich.

Nehmen wir den Begriff "Anti­rassismus" als naheliegendes Beispiel. "Anti­rassismus" hat eine Bedeutung, die für den Neuling verständlich und ansprechend ist, und eine andere, deutlich davon unterschiedene, weit tiefere Bedeutung für den arrivierten Gläubigen. Der Neuling denkt sich: "Anti­rassismus? Na, klar bin ich gegen Rassismus. Bin dabei!" In diesem Moment weiß er noch nicht, dass "Anti­rassismus" für fortr­geschrittene Theorie­vertreter bedeutet, alle Weißen für Rassisten und Diskriminierung für die beste Form der Anti­diskriminierung zu halten, eine authentische Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Vertretern verschiedener "Rassen" für unmöglich zu halten, sich zu einem lebenslangen Bemühen zu verpflichten, immer und überall Rassismus zu sehen, und sein liberales und humanistisches Welt- und Menschenbild zugunsten eines kollektivistischen, dystopischen und revolutionären aufzugeben. Den Worten der Theorie­vertreter ist dies zwar relativ leicht zu entnehmen – James Lindsay wies einmal darauf hin, dass sie sich manchmal selbst ein Bein stellen, indem sie zu früh zu viel verlangen. Doch die meisten Neulinge übersehen die Warnzeichen zunächst oder nehmen sie nicht ernst. Sie nehmen anfangs einfach das auf, was sich in ihr noch liberales Weltbild und Leben einfügen lässt, halten dies für das Wesentliche und ignorieren den Rest.

Das ist kaum überraschend, da selbst Gegner der Wokeness diese in neun von zehn Fällen so kritisieren, als hätte sie einfach die Prinzipien des Liberalismus nicht verstanden. Man wirft etwa Aktivisten vor, Männer und Frauen oder auch Weiße und Nichtweiße nicht mit gleichen Maßstäben zu messen, als wäre das eine Inkonsistenz oder Heuchelei. Es ist keine Inkonsistenz oder Heuchelei, sondern im Rahmen des woken Weltbildes völlig richtig und gewollt. Dies ist kein liberales Weltbild, sondern ein kollektivistisches, das davon ausgeht, dass sich die hierarchisch angeordneten Identitäts­gruppen im Krieg befänden und sozialer Fortschritt danach verlange, die jeweils unteren zum Sieg zu führen. Die liberale Forderung nach gleichen Maßstäben ist in diesem Kontext die absurde Forderung, Alliierte und Feinde gleich zu behandeln.

Dies ist ein fundamentales Missverständnis, das sich aber aus zwei Gründen aufdrängt. Erstens weil das tatsächliche Weltbild der Wokeness recht weit von alltäglichen Denkweisen entfernt ist, so dass man sich in gewissem Umfang damit beschäftigen muss, um zu verstehen, von welchen Prämissen die Theorie­vertreter ausgehen. Zweitens weil die Wokeness insofern an den Liberalismus anschluss­fähig ist, als sie seine Prinzipien und Mechanismen zu nutzen weiß, um sich auszubreiten und ihre eigenen Regeln durchzusetzen.

Die erwähnten Begriffe mit unterschiedlichen Tiefenebenen sind ein wichtiger Teil dieser auf Transformation zielenden Anschluss­fähigkeit. Immer bildet ein naives Verständnis, das für Neulinge plausibel und moralisch ansprechend ist, nur die Spitze des Eisbergs des tieferen, breiteren und revolutionären Begriffs­verständnisses der Fort­geschrittenen. Ein weiteres Beispiel wäre "Diversity". Naiv versteht man darunter einfach Vielfalt; eine bunte Gruppe von Leuten mit verschiedenen Hintergründen. Die tiefere Bedeutung dagegen ist: Eine Gruppe von Leuten aus verschiedenen klar definierten Identitäts­gruppen, welche "kritisches Bewusstsein" haben, also die Gesellschaft durch die Brille der Theorie als großes Unterdrückungs­system betrachten und das Ziel verfolgen, dieses zu Fall zu bringen. Ein paar konservative Frauen, Schwarze und Schwule zählen nicht als "Diversity". Was ist "Inklusion"? Offenheit und Beteiligungs­möglichkeiten für alle, würde man meinen. Die tiefere Bedeutung ist: Einführung eines engen theorie­konformen Systems von Sprach- und Verhaltens­regeln in einem sozialen Raum und Ausschluss aller, die sich dem nicht fügen. Ganz in diesem Sinn rechtfertigen etwa öffentlich-rechtliche Medien die Einführung von Gendersprache damit, dass sie "alle ansprechen" wollten. Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung, Männer und Frauen zu etwa gleichen Teilen, lehnt Gendersprache jedoch ab und fühlt sich von ihr somit nicht "angesprochen", sondern abgestoßen. Das beunruhigt Theorievertreter nicht, denn aus ihrer Sicht ist "Diversity", "Inklusion" und alles andere Gute nur unter dem Regime der Theorie möglich. Wo die Theorie nicht ist, ist Unterdrückung. Dem Regime der Theorie widersetzen würden sich nur die, die die Unterdrückung aufrecht­erhalten wollen, und auf die muss man natürlich keine Rücksicht nehmen. Das Denken ist so total auf diese binäre Antithese von Unterdrückung und "Social Justice" verengt, dass von seiner Warte aus nicht vorstellbar ist, die Theorie­vertreter könnten selbst unterdrückerisch wirken. Wie weit das gehen kann, zeigen kommunistische Regime, die es noch nach Jahren der autoritären Herrschaft von Parteibonzen fertig­gebracht haben, sich als Underdogs zu inszenieren, die sich gegen die Mächtigen der "Bourgeoisie", "Faschisten", "Imperialisten" etc. verteidigen müssen.

In taktischer und psychologischer Hinsicht kann man besagte Doppelbegriffe auch als trojanische Pferde[wp] beschreiben. Die naive Bedeutung ist für die meisten Menschen vollkommen einleuchtend, und sobald man dem Pferd wohlwollend und naiv die Tür geöffnet hat, beginnt die tiefe Bedeutung ihren Einfluss geltend zu machen. Von da an ist es schwer, an irgendeinem Punkt "stopp" zu sagen, denn man hatte sich selbst anfangs freudig zu dem politischen Ziel bekannt, das der Begriff ausdrückt. Es ist um ein Vielfaches schwerer, von einer Position zurück­zu­treten, die man bereits öffentlich eingenommen hat, als auf dem beschrittenen Weg jeden Tag ein paar Zentimeter weiterzugehen. Ersteres ist ein Kraftakt und Risiko des Gesichtsverlusts, Letzteres geschieht wie von selbst. Dafür sorgen die Aktivisten im Haus, für die es nicht schwer ist, ihre ständig wachsenden Forderungen als Notwendigkeiten der Verfolgung des Ziels auszugeben, zu dem sich Chef und Belegschaft bereits bekannt hatten. Wer A sagt, muss auch B sagen. Immer hängen moralisch die Damokles­schwerter über den Köpfen: Ihr wisst doch, wie wichtig Diversity ist. Wenn ihr wirklich Diversity wollt, müsst ihr uns auch dieses zugestehen, denn ohne dieses kann es keine Diversity geben. Seid ihr etwa nicht mehr für Diversity, war das nur ein Lippen­bekenntnis? Wollt ihr etwa nichts gegen Rassismus tun? Dachtet ihr, das wird ein Spaziergang? Ihr wollt Gerechtigkeit, aber es darf nichts kosten? Stört euch die Unterdrückung der Frauen nicht?

Eine weitere wertvolle Metapher für die Funktionsweise dieser doppel­bödigen Begriffe ist die von Motte[wp] und Bailey[wp]. Sie nimmt Bezug auf einen Typ mittel­alterlicher Burgen. "Bailey" ist eine Art Burghof außerhalb einer kleinen Festung, in dem gewirtschaftet wird. Die Motte ist die eigentliche Festung auf einer Anhöhe. Die beiden stehen für zwei Positionen, die Theorie­vertreter je nach Situation in Diskussionen einnehmen. Wenn sie angegriffen werden, ziehen sie sich in die Motte-Position zurück, die leicht zu verteidigen ist, aber sonst wenig abwirft. Die Motte-Position entspricht der naiven Begriffs­bedeutung, der jeder zustimmt. Zum Beispiel: Es gibt sozial konstruierte Geschlechterrollen, die den Chancen der Menschen zur Selbst­entfaltung möglicherweise unnötige Grenzen auferlegen und die wir in diesem Fall verändern können und sollten. Jeder weiß das, jeder stimmt dem zu, niemand bestreitet das ernsthaft. Wenn die Gender Studies angegriffen werden, können sie daher einfach behaupten, dass es ihnen doch nur um dies gehe, und sofort ist der Angreifer entwaffnet. Ist der Angriff vorbei, beziehen sie dann wieder die Bailey-Position: Biologisches Geschlecht gibt es gar nicht, die Geschlechter per se sind sozial konstruiert und nicht angeboren, sondern zugewiesen, Geschlecht ist ein Spektrum, an der Vagina ist nichts inhärent Weibliches, Männer können gebären, an Familie und Heterosexualität ist nichts Natürliches und so weiter. Solche Positionen sind im Rahmen wissen­schaftlicher Rationalität unmöglich zu verteidigen, aber man kann herrlich damit wirtschaften. Jeder Unterschied und jede Komplementarität zwischen Männern und Frauen erscheint von ihr aus gesehen als Auswirkung eines Unter­drückungs­systems, das überwunden werden muss, und die Theorie­anhänger sind die Experten, denen im Rahmen dieses gigantischen Über­windungs­programms Ressourcen und Autorität zufließen.
- Sebastian Wessels[4]

Wokistan

Zitat: «Wokistan hat inzwischen Worte für das gefunden, was in #Afghanistan passiert. Es ist das alte Mantra: Der Westen ist schuld. Egal, was passiert.» - Prof. Dr. Rumpelwicht[5]

"Wokeness" und "Signalling"

Ein interessanter Artikel behandelt "Wokeness" als Religion und Statusaufbau:
Zitat: «In the following article, we will explore this quasi-religion, Wokeness, as a status system that functions predominantly to distinguish white elites from the white masses[6] (whom we will call hoi polloi). It does this by offering a rich signalling vocabulary for traits and possessions such as education, intelligence, openness, leisure, wealth, and cosmopolitanism, all of which educated elites value (for a similar analysis, see Rehain Selam's August essay in the Atlantic[7], discussed by David French in the National Review article linked above). From this perspective, the preachers of the Great Awokening - those who most ardently and eloquently articulate the principles of Wokeness - obtain status because they (a) signal the possession of desired traits and (b) promulgate a powerful narrative that legitimizes the status disparity between white elites and hoi polloi. The elites, according to these preachers, are morally righteous and therefore deserve status, whereas hoi polloi are morally backward and deserve obloquy and derision.»[8]

Der Begriff "Wokeness" hat leider kein deutsches Gegenstück, es ist aber im wesentlichen etwas, was man hier teilweise in dem Begriff "Gutmensch" unterbringt oder eben mit ideologisierten, fanatischen Feministinnen.

Eine Herleitung, nach der man in diesem System besonders gut Status innerhalb einer speziellen Gruppe aufbauen kann, ist für mich als jemand, der Signalling und Statusaufbau bereits aus evolutionären Gründen für ein sehr wichtiges Prinzip zum Verständnis des Menschen hält, natürlich besonders interessant. Ich hatte ja schon angeführt, dass jede Gruppe Status nach ihren Regeln bewertet, Geschäftsleute anders als Punker, aber das üblicherweise gewisse "Costly Signals"[9] verwendet werden, die eben schwerer zu fälschen sind. Daher braucht jedes System, bei dem Status aufgebaut und bewertet werden soll gewisse Regeln, nach denen dies geht, und gewisse Schwierigkeiten, Status zu erlangen.

Zitat: «It's important to note before we begin that this perspective does not contend that all the actors in this status system are cynical charlatans. In fact, it insists that many legitimately believe their assertions about pervasive racism, sexism, transphobia, et cetera, and feel compelled to preach their doctrine so as to make society more just. Sincere belief and status motives often conspire. For example, the famous preachers of the Great Awakening[wp] (from whom we derived our title) almost certainly believed the urgency of their message and the elaborate metaphysics of their faith, but also obtained status from their books and sermons.»[8]

Ja, ich denke auch, dass die meisten wirklich von den Ideen überzeugt sind und auch davon, Gutes zu tun und gegen das Böse zu kämpfen. Dass ihr System hoch unlogisch ist, fällt wegen dem religiösen Ansatz mit vielen Dogmen und der Filterblase selten auf. Es ist ein selbst­stabilisierender Faktor, dass Zweifel an dem System Statusabzug gibt und Kritik oder auch nur ein Nachdenken darüber ebenso.

Zitat: «Wokeness

Before analyzing Wokeness as a status system, we must understand it as a quasi-religious doctrine. Unlike scientific theories or other empirical claims, the basic tenets of Wokeness are held with sacred fervor. Those who challenge them are not debated; rather, their motives are denounced, and they are cast out of polite society like heretics.[10] To take just one example, when someone objects to the Woke principle that "diversity is a strength," committed believers rarely greet the objection as an opportunity for argument. Instead, they attack the apostate for his sacrilege[11], and accuse him of unspeakable moral treachery (see table below for other examples).»[8]

Genauso wie bei einer Religion nicht wirklich hinterfragt werden darf, ob die dortigen Thesen Sinn ergeben und ob es einen Gott gibt, wirkt auch hier das Dogma der Gemeinschaft: Der Zweifler ist ein Sünder und ihm bleibt nur Reue und Rückkehr in den Schoß der Gemeinde oder Verstoßung.

Zitat: «The chief dogmas of Wokeness are that:
  • All demographic groups are roughly biologically the same (which we have termed cosmic egalitarianism[12] elsewhere).
  • Bigotry is pervasive.
  • Almost all disparities among demographic groups are caused by bigotry.
  • If we all work really hard, we can create a more just, multicultural society.
  • Diversity is almost always a good thing.»[8]

Also übersetzt: Die Hauptdogmen des Wokeismus sind:

  • Alle demographischen Gruppen sind ungefähr biologisch gleich (was wir anderswo als kosmischen Egalitarismus bezeichnet haben).
  • Vorurteile sind allgegenwärtig.
  • Fast alle Unterschiede zwischen den demographischen Gruppen sind auf Vorurteile zurückzuführen.
  • Wenn wir alle wirklich hart arbeiten, können wir eine gerechtere, multikulturelle Gesellschaft schaffen.
  • Vielfalt ist fast immer eine gute Sache.

Also das durchaus bekannte Bild: Macht und Vorurteile führen zu Privilegien bestimmter Gruppen, die unverdient und ungerecht sind und daher abgebaut werden sollten.

Zitat: «These dogmas have far-reaching consequences. For example, dogma 2 compels Woke believers to view almost every human action as tainted, and possibly determined, by some kind of racial or sexual bias. When Serena Williams, for example, severely scolded an umpire and was docked a game, Woke pundits and preachers rose as one to announce that her punishment proved that sexism and racism still plague tennis.[13] That her punishment might be the impartial response of the tennis umpire was hardly considered; and those who did consider it were met with derision and invective.[14]
WOKE PIETIES MORALIZATION
All groups are basically the same. "If you study sex differences, then you are sexist."
Racism, sexism, and other bigotries are ubiquitous. "If you deny the prevalence of bigotry, then you are a bigot."
Disparities in outcomes among groups are almost always caused by bigotry. "If you search for another cause of social disparities, then you are part of the problem."
Diversity of race, sex, sexuality is always and everywhere a good thing. "If you think diversity can be bad, it's because you are a bigot."

»[8]

In der Tat trifft man immer wieder auf diese Moralisierungen, die es besonders schwer machen, sich sachlich über das Thema auszutauschen. Die Grund­aussagen sind Glaubens­sätze, wer sie hinterfragt, der muss ein schlechter Mensch sein.

Zitat: «More broadly, Woke dogmas lead to a sacred narrative about the nobility of perceived victims' groups[15] (e.g., blacks, women, Muslims, gays, transexuals, et cetera). Members of these groups are to be considered the innocent victims of an oppressive and iniquitous patriarchy.[16] Whites, on the other hand, are born burdened with the original sin of privilege, and are therefore presumptively complicit in the system unless they declare fidelity to Wokeness.»[8]

Die "Adeligkeit der Opfergruppen" oder vielleicht besser die Idealisierung und in gewisser Weise auch die Romantisierung dieser Opfergruppen in Anlehnung an den "edlen Wilden" wurde hier auch schon mehrfach besprochen.

Gerade diese sehr starke binäre Einteilung:

  • Auf der einen Seite das Opfer, erhaben und gut, in dieser Kategorie nicht angreifbar und nicht kritisierbar
  • Auf der anderen Seite der Täter, mit Erbsünde kraft Zugehörigkeit zur Gruppe versehen, der sich exkulpieren muss, aktiv an seiner Vergebung arbeiten muss, ein reuiger Sünder, der entweder um Vergebung bittet oder Täter ist.
Zitat: «This creates a Manichean moral doctrine that purports to reverse the current power hierarchy.»[8]

Manichäismus[wp] sagte mir bisher nichts, ich habe es daher mal nachgeschlagen:

Zitat: «Der Manichäismus war eine stark von der Gnosis[wp] beeinflusste Offenbarungs­religion der Spätantike und des frühen Mittelalters. Seine organisierte Anhängerschaft war unterteilt in die Elite der "Auserwählten" (lateinisch "electi"), aus der sich die Amtsträger rekrutierten, und die einfachen Gemeinde­mitglieder, die "Hörer" (auditores). Insbesondere von den electi verlangte er Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt. (...)

JManis Lehre ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Licht­elementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung zweier absolut verschiedener und gegensätzlicher Naturen und der ihnen zugeordneten Reiche wird der Manichäismus zu den dualistischen Modellen gezählt.»[17]

Also eine Religionsgemeinschaft, die stark dualistisch ausgeprägt war und in der es Licht und Finsternis gab, wobei es die gab, die schon "im Licht" waren und diejenigen, die durch "Reinheit" dahin gelangen konnten. Das klingt relativ ähnlich, wobei die Nähe zum Christentum, die auch im Wikipedia-Artikel anklingt, aus meiner Sicht stark ist, wenn man dort Konzepte wie "sündig geboren" berücksichtigt.

Zitat: «Victims' groups are revered, and the powerful are despised. However, as we will argue, this hierarchy is not so simple because it actually elevates a healthy proportion of the powerful, namely the white educated elites who profess unquestioning devotion to Wokeness. So, in the end, it is not really a status reversal so much as a way to distinguish one group of whites from the rest.»[8]

Das die Umkehrung der Opferhierarchie durchaus für viele interessant sein dürfte, die bei konventionellen Statusaufbau wesentlich weiter unten stehen, ist sicherlich etwas, was der "Wokeness" sehr geholfen hat. Aber natürlich ist es ein System für Studierte, weil man sich nicht so einfach hineindenkt. Insofern ist es für das interne Statussystem dieses Systems besonders interessant.

Allerdings würde ich widersprechen, dass es nur für Weiße interessant ist. "Wokeness" an sich passt vielleicht eher zu Weißen, aber viele "Marginalisierte" werden sich weniger als "erwacht" als vielmehr als Freiheits­kämpfer gegen ihre Unterdrückung sehen, die sie schon immer erlebt haben. Sicherlich werden da auch viele einen "Red Pill-Moment" gehabt haben, indem sie noch mehr "die Strukturen" und dass diese absolut alles umfassen erkannt haben. Aber gerade Bewegungen wie "Black Lives Matter" oder eben Hasstiraden wie von "Sarah Leong" gegen Weiße[18] zeigen ja, dass sie eben auch für andere interessant sind.

Zitat: «Wokeness As a Status System

Because it allows a person priority access to crucial and coveted resources such as money and mates, the desire for status is probably a fundamental human motivation.[19] And because that desire is primitive and powerful, many social practices and activities function at least partially to delineate status relationships. These can be analyzed as status systems[20] and operate in predictable ways because, whatever its diverse manifestations, status has some invariant features. Most importantly, it is inexpansible. That is to say, its supply does not grow. Unlike the economic pie, the status pie remains roughly the same across time. Therefore, players in the status game inevitably inhabit a zero-sum[wp] world. If one person's status goes up, then another's must go down, which explains why people are exquisitely sensitive not only to gains in their own status, but also to gains in other people's status. Another's triumph inevitably rearranges the distribution of a finite and precious resource.

Among other things, Wokeness appears to operate as just such a status system. This doesn't mean that its only function is to adjudicate status competitions; but it does mean that one of its crucial functions is to do so. And it does this primarily by offering a signaling vocabulary which can distinguish educated elites from hoi polloi. The elites who thus benefit offer status to those who defend and legitimize the Woke narrative (the preachers); and they strip status from those who dissent.»[8]

Wenn man den modernen intersektionalen Feminismus als Signalling versteht, dann wird deutlich, dass auch die unlogischen Regeln dort Sinn machen. Ich hatte das schon einmal in meiner "Fußball-Analogie"[21] deutlich gemacht: In einem Sport um Punkte sind interne Widersprüche egal, genauso wie es beim Darten egal ist, dass die Dreifach-1 genauso schwer zu treffen ist, wie die Dreifach-20, aber eins 3 Punkte gibt und das andere 60 Punkte. Genauso ist es dann egal, dass Asiaten in den USA im Schnitt mehr verdienen als Weiße, als besonders schlau und fleißig gelten, und in Ländern wie Japan und Korea erhebliche Macht genießen und überproportional in Berufen wie Arzt oder Rechtsanwalt vertreten sind. Sie werden, ähnlich wie ein Feld im Dart, eben in gewisser Weise in die Regeln eingearbeitet, hier eben als marginalisierte Minderheit, die selbst mit der Beschimpfung von Weißen Punkte machen kann und mit der zusammen man Punkte machen kann, wenn man sie, Doppel­abschluss aus Harvard und aus einem der reichsten Länder dieser Erde, ebenfalls als Opfer der Unterdrückung durch Weiße ansieht.

Zitat: «This perspective illuminates many otherwise inexplicable aspects of Woke culture, such as:
  • Why do Woke norms change quickly and why are they so complicated (thus alienating many potential allies)?
  • Why do Woke preachers often denigrate those who fail Woke purity tests (thus alienating many potential allies)?
  • Why do people in Woke culture expend so much effort sending signals to each other and so little quietly working to improve people's lives?
  • Why don't more Woke preachers strive to make as many friends and partners among hoi polloi as possible, since such partnerships would help them to achieve their stated goals?»[8]

Interessante Fragen:

  • Warum ändern sich die Woke-Normen schnell und warum sind sie so kompliziert (was viele potenzielle Verbündete entfremdet)?
  • Warum verunglimpfen die Woke-Prediger oft diejenigen, die die Reinheits­prüfungen von Woke nicht bestehen (und entfremden damit viele potenzielle Verbündete)?
  • Warum geben sich die Menschen in der Woke-Kultur so viel Mühe, um einander Signale zu senden und so wenig Mühe, um still daran zu arbeiten, das Leben der Menschen zu verbessern?
  • Warum versuchen nicht mehr Woke-Prediger, so viele Freunde und Partner wie möglich unter den Hoi Polloi zu finden, da solche Partnerschaften ihnen helfen würden, ihre erklärten Ziele zu erreichen?

Die Antwort ist eben immer, dass es für das andere Verhalten Statuspunkte gibt.

Zitat: «To begin, we'll examine the nature of the Woke signaling vocabulary. Signals that are effective must be reliably connected to what they signal. Sometimes such reliability is achieved because the communicator and receiver share interests. If Mary tells her teammate that she is going to cut left on the next play, then her teammate has little reason to doubt the signal (i.e., the sentence) because they share interests (namely, they both want to win the game). But often reasonable reliability can only be achieved by using costly signals, signals that honest communicators can afford but that dishonest communicators cannot.

It is trivially easy (not costly) to assert that one is educated or sophisticated or committed to a doctrine; therefore, very few people pay attention to such pronouncements (except as they might indicate narcissism). On the other hand, it is not easy (is costly) to speak a jargon that is taught only in universities and that requires many hours of dedication to master. Therefore, people pay attention and often defer to those who command a rich, complicated jargon.»[8]

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum einige sehr kompliziert schreibende Personen in dem Bereich sehr erfolgreich sind: Es ist schwieriger sie zu verstehen, gleichzeitig überdeckt es Unlogik.

Zitat: «Wokeness provides this kind of sophisticated argot for signalers. Those who preach its gospel often use bizarre concepts imported from postmodern theorists, infamous for their impenetrable prose. Terms such as "hegemonic," "intersectional," "phallocentric," and "queerphobe" are regularly deployed, intimidating the uninitiated and impressing those who wish, in the future, to signal their erudition to fawning fans. Even Woke language for popular consumption is complicated by a quickly changing list of taboo epithets. Is it wrong to say "homosexual relationship"?[22] Is it all right to say "African-American"?[23] Will I be berated if I say "Mexican-American"?[24] These changing prohibitions function well to distinguish elites from hoi polloi because they require devotion, erudition, and the right social acquaintances to understand.»[8]

"Aktuell bleiben" und mit den veränderten Regeln mithalten können, wäre demnach wichtig in dem Statusspiel: Wo man früher sagen durfte, dass Männer an allem Schuld sind, muss man jetzt Cis-Männer sagen, damit man Transmänner ausnimmt. Insofern kommen die radikalen Transideologen gerade recht, denn sie bewirken eine zusätzliche Möglichkeit, "Wokeness" zu signalisieren. Das gilt ebenso für Wörter wie PoCs oder diverse andere Wortschöpfungen.

Zitat: «Using arcane language and adhering to constantly changing norms about acceptable epithets are not particularly effective for attracting people from the broader population to one's cause. In fact, they almost certainly alienate many average, and otherwise sympathetic, Americans, who understandably disdain indecipherable prose and elite superciliousness. Therefore, this signaling function of the Woke faith is actually antithetical to the stated goals of Wokeness[25] (i.e., creating a more just social world-which requires a broad coalition of different classes of people).»[8]

Ja, mit immer komplizierteren und weltfremden Konzepten ("Ein Penis ist weiblich") entfernen sich die "Woken" immer mehr von dem, was ansonsten als normal wahrgenommen wird, aber sie schaffen gleichzeitig immer bessere Möglichkeiten den eigenen Status zu signalisieren.

Zitat: «Also antithetical to the stated goals of Wokeness is the tendency of its most popular preachers to castigate sinners instead of calmly attempting to persuade them of the justness of the Woke doctrine. Antithetical, but perfectly comprehensible from a signaling perspective. Those who are Woke don't really want to inhabit an entirely Woke world without the bigoted masses; instead, they want to occupy a world of good and evil, of the just and the wicked, of the high status and the low status, of the elite and hoi polloi. The Woke faithful almost certainly do believe that the world is unjust, even wicked, and they almost certainly do sincerely want to ameliorate the suffering of its victims. However, they also want to signal their membership to an elite and morally righteous club, and therefore they need an out-group, a foil, a morally wicked other for contrast. And, they can't let just any kind-hearted person into their club, because then it would lose its exclusivity. So they must develop a strenuous vetting system, one that is vigilant and suspicious and quick to detect sin.»[8]

Ja, das scheint mir auch schlicht die beste Erklärung zu sein. Deswegen kann es auch kein wirkliches erreichbares Ziel geben, an dem die Welt gut genug ist. Neulich sagte eine Feministin in einer Diskussion, dass ein Fall von sexueller Gewalt schon zu viel ist und dass quasi Männer an einer absolut gewaltfreien Welt arbeiten müssten. Der Einwand, dass dieses Ziel schon aufgrund der vorhandenen Psychopathen nicht zu erreichen ist, verstößt gegen die oben dargelegte Norm, dass alle Menschen gleich sind und allenfalls sozial konstruiert. Es wird daher niemals ein "Gut genug" geben, sondern immer eine strikte Einteilung in Gut und Böse, die erlaubt, dass man Signalling[wp] als "woker Mensch" betreibt.

Zitat: «Furthermore, accusing others of violating the faith of the Woke can serve as a signal of one's commitment to righteousness; and, perhaps perversely, the more ridiculous the accusation, the better the signal. How, after all, can somebody who accuses the entire tennis world of racism and sexism, be racist or sexist? This can lead to a kind of concept creep[26], in which those vying for status among the Woke compete to call out vanishingly trivial offenses and imagined slights as intolerable manifestations of racism, sexism, and patriarchal oppression. Meanwhile, many otherwise sane people, with no interest in the excesses of The Great Awokening, nevertheless feel compelled to agree with such fantastical claims for fear that otherwise they too will be accused of bigotry.»[8]

Die Spirale in den Abgrund oder das Race to the Bottom[27] kann in der Tat dazu führen, dass man sich immer weiter hinein­steigert und immer kleinere Fälle immer energischer angreift, um Status aufzubauen. Und natürlich bringt es weit weniger Punkte "das Normale" zu machen, wer neue Wege findet, in dem System Status aufzubauen, der kann sich vor die Anderen setzen.

Und Signalling dürfte auch der Grund sein, warum man so gerne übereinander herfällt statt sich gegenseitig Fehler nachzusehen, um die Sache voran zu bringen: Wenn man jemanden aus der Gemeinschaft einen Fehler aufzeigen kann, dann hat man das System natürlich besser verstanden als er und es bekommen auch viel schneller und einfacher mehr wichtige Leute mit, die das System kennen und danach Punkte vergeben. Wehrt sich der andere noch unberechtigt, dann kann man noch nachhaltiger deutlich machen, wie groß die Hingabe zum System ist und wie gut man es kennt.

Und weil dieser interwoke Kampf so erbittert geführt wird und es Punkte dafür gibt, Zweifler anzugreifen, ist es häufig besser sich nicht gegen sie zu stellen. Sie haben insofern häufig einen "Fanatikerbonus", weil unnötiges Aufregen für sie interne Punkte gibt und sich damit für sie lohnt. Gleichzeitig zeigt das auch die Grenzen auf: Wer sich nicht beeindruckt zeigt und es so umkehren kann, das er sich über die "Woken" lustig macht und sie als Fanatiker darstellt, der kann eben in einem rationalen System, in der normaleren Welt, Leute auf seine Seite ziehen. Das kann allerdings ein Win-Win für Beide sein: Der eine zeigt, dass er auch bei Fanatikern cool bleibt und sich nicht von diesen einschüchtern lässt und der andere zeigt, dass er auch hartnäckige Feinde bekämpft.

Zitat: «This may also explain the utility of outlandish beliefs. Anybody can believe something that is true. It takes no effort, no talent, and no real commitment. But to believe something that is transparently ridiculous, such as that men and women are biologically the same, and to assert such a belief with force and conviction requires singular devotion to a coalition and to its sacred narrative.[28] Therefore, those competing for status in the world of Wokeness may strenuously profess a belief in risible propositions (e.g., all demographic groups are the same) to signal commitment to the cause. Furthermore, attempted correctives - such as offering heaps of contradictory data - may be counterproductive, simply serving to highlight the dedication of the besieged believer.»[8]

Das ist eben das, was ich hier auch schon zur Unlogik in der Religion dargestellt habe (unter Zitierung von Jared Diamond): Eine Religion, die durch Fakten belegbar ist, ist keine Religion und bietet sich nicht zum Signalling an. Ein wahrer Gläubiger kann sich gerade dann auszeichnen, wenn das System voller Unlogik ist.[9]

Deswegen sind bei den wahren Gläubigen auch Bekehrungs­versuche fast sinnlos. Aber bei den Umstehenden, den Sympathisanten, den Interessierten kann dafür sehr schnell ein "Der Kaiser ist nackt"-Effekt eintreten, der verhindert, dass sie überhaupt in dieses Denken hineinkommen.

Es dürfte auch der Grund sein, warum Leute wie Milo oder aber die schwarze Konservative Candace Owens schwierige Gegner für woke Menschen sind, weil sie eben eigentlich bestimmte Merkmale haben, die sie eigentlich zu einer Opfergruppe machen, eben Schwul oder Schwarz. Auch hier passt aber der Ansatz, dass man dies dann eben ausblenden muss und sie nur nach anderen Kriterien bewerten muss, etwa Milo als weißen Mann, der damit ein Rassist ist oder Owens als eine, die sich eben nur an Weiße anbiedern will. Allerdings ist das sehr vermintes Gebiet, weswegen ein Gegner wie Jordan Peterson sicherlich angenehmer anzugreifen ist.

Zitat: «Of course, the signaling perspective also explains why so many disciples of Wokeness expend effort writing inscrutable articles about the patriarchy or denouncing sinners on Twitter rather than going out into the world to help the victims' groups they claim to admire: their primary motivation, whatever their conscious beliefs, is to procure status. There are, of course, many courageous and devoted people who do work quietly to make the world better for minority groups; and those people deserve our admiration. But, many of the most conspicuous activists spend more time promising punishment to heretics on Twitter than they do helping their local communities. These Twitter displays are often called virtue signals, but they are probably better understood as commitment signals, because they don't really signal a person's underlying moral character, but they do signal his or her allegiance to the faith of Wokeness.»[8]

In der Tat machen viele Woke die Welt eben nicht besser, sondern hetzen Leute noch gegen­einander auf, verschärfen das Klima und provozieren Gegen­reaktionen, weil sie Identitäten angreifen und zu "den Bösen" machen und ihnen damit mehr Gewicht geben und eine Outgroup, die sie angreift.

Zitat: «The Preachers of the Great Awokening

Atop the hierarchy of this status system sit the preachers of the Great Awokening, the media mavens and academics who write, defend, and theorize Wokeness, who guard its doctrines from dissent, who praise the faithful, and who call for the righteous punishment of heretics and sinners. They have the power of salvation and of damnation. Their approval can make a career, and their opprobrium can ruin one. Some are men; some are women. Most are white. And most have distinguished themselves from their other, their antipode, the men and women of hoi polloi. But, perhaps more importantly, they have provided a narrative that justifies such a distinction in the first place.»[8]

In der Tat sind natürlich nach wie vor viele bekannte Feministinnen weiß, von Valenti in Amerika über Wizorek in Deutschland. Aber viele PoCs stutzen diese natürlich immer wieder zurecht in dem Kampf um Macht. Und viele männliche Feministinnen sind sich sehr bewusst, dass sie immer davon bedroht sind, dass sie jemand dafür kritisiert, doch wieder zu viel Raum einzunehmen oder ein übergriffiges Verhalten gezeigt zu haben.

Hinzu kommt, dass auch viele männliche Feministen noch ein weiteres Spiel suchen: Den Status in Sex umwandeln, da Status nun einmal attraktiv macht.[29] Und da das eigentlich gegen die Regeln ist, droht wiederum ein Statusabbau, wenn es als Belästigung angeprangert wird oder zu offensichtlich ist.

Zitat: «Status disparities cause resentment. And they often also cause guilt. Those on the bottom of the hierarchy become bitter, disdaining those on the top. And this resentment is a constant source of rancor and instability. Those on the top, of course, are generally happier; however, they often experience discord as well, especially perhaps if they are liberal:[30] Why do I deserve this blessed life? Am I really better than those below me? Both problems - the bitterness of those on the bottom and the guilt of those on the top - can be ameliorated by a powerful legitimizing narrative, a narrative that explains why those on the top deserve their status while those on the bottom deserve their rather less charmed lives and, in fact, should be pleased simply to defer to their superiors. Those who provide such a narrative offer a valuable service; therefore, they are recompensed with approval and applause.»[8]

Es kann eben gut sein, seinen Platz gefunden zu haben. Und es kann auch angenehm sein, nicht zu weit oben zu stehen, um sich nicht dem Vorhalt auszusetzen, dass man zuviel für sich in Anspruch nimmt. Weswegen viele weiße Feministinnen den Kampf für PoCs unter Inkaufnahme deren Vorrechtstellung in der Kategorie "Rasse" vielleicht durchaus angenehm finden.

Zitat: «This is precisely what the preachers of the Great Awokening provide. According to their teachings, those on the top of the hierarchy, the educated, the cosmopolitan, the elite, are there not because they are smarter or more ambitious than hoi polloi (traits about which these elites claim to be skeptical), but rather because they are more righteous. The elite deserve status because they are Woke; they are altruistic, noble, and selfless defenders of the downtrodden. Hoi polloi, on the other hand, are morally backward: they are confused and unenlightened defenders of a racist, sexist, and bigoted America. They fail to understand intersectionality; they deny their own white privilege; they can't or won't see the bigotry that pervades society. They, then, are sinners. And why shouldn't sinners be punished, especially if they are without contrition? And this is why Wokeness has become a quasi-religion; it has to divide the world into the righteous and the fallen, the deserving and undeserving.»[8]

Das ist in der Tat der Kern: Die Guten, die Erwachten, gegen die Sünder. Jeder kann auch ein Erwachter werden, wenn er sich nur an die Regeln des Kults hält, auch wenn es für einige Schwieriger als für andere ist (weil sie mehrfach privilegiert sind oder besonders schlimme Formen der Privilegierung haben).

Zitat: «The great news, the gospel, is that Wokeness is a meritocracy. At least, that is the message these preachers deliver. Yes, sinners are punished, and the unenlightened suffer derision and ridicule, but they can obtain status by achieving moral purity, by repenting their sins, castigating their former beliefs, and renouncing their own interests. And then they too, like today's moral elite, will enjoy the voluptuous fruits of the good life. What could be more just?»[8]

Das alte Erbsündekonzept eben. Auch du kannst gut werden. Wenn du genug Abbitte leistest und ein frommes Leben führst. Trete unserem Kult bei und lerne den Weg. Trete nicht unserem Kult bei oder lehne ihn sogar ab und schmore für immer in der Hölle.

Zitat: «We have argued that this perspective offers insights into the behavior of those who inhabit the culture and spread the norms of Wokeness. Chiefly, it contends that (a) many Whites use the vocabulary of social justice to signal their erudition, cosmopolitanism, and commitment to the cause so as to distinguish themselves from hoi polloi. And that (b) the preachers of the Great Awokening serve the crucial function of legitimizing the resulting status disparity. Their teachings assuage the guilt of the elite and blunt the bitterness of hoi polloi. And, therefore, those preachers are recompensed with status.

The danger is that the status desires of these preachers will eclipse their moral concerns. (Some, of course, would claim that this has already happened.) And then the preachers will become moral peacocks, showcasing eloquent and fantastical sermons to a dwindling but increasingly fanatical base. And this will ultimately lead to a situation in which social justice activists pay more attention to the pronouns on a box of cereal than to the sufferings of the less fortunate.»[8]

In der Tat kann man gut vertreten, dass dieser Zustand schon eingetreten ist, bei dem die Grenze überschritten worden ist. Interessant wäre aber, ob die Bewegung trotz der Radikalisierung noch wächst oder nicht. Momentan scheinen sie das "Glück" zu haben, dass die Flüchtlingskrise ein großes Signalling-Potential bietet und das noch dadurch ausgeweitet wird, dass Gegen­bewegungen vorhanden sind (die wiederum selbst eine Identitätspolitik betreiben, in der sie Signalling betreiben). Mal sehen, wie es weiter geht.

Einzelnachweise

  1. Kommentar von Jochen Schmidt am 9. September 2020 um 11:16 Uhr, in: Bürgerrechte, Privilegien und das Wegrutschen der Linken, Man Tau am 23. Juli 2020
  2. Sebastian: Trojanische Pferde der Wokeness, Homo duplex am 9. Februar 2021
  3. Sebastian: Pseudo-Realität, Homo duplex am 15. Februar 2021
    Ein drastisches Beispiel ist das freudige Zerstören von Existenzen durch Online-Mobs wegen Nichtigkeiten. Das Muster "White Fragility" habe ich als Beispiel genannt und verlinkt. Das ist Missbrauchs­verhalten. Immer in dem Bewusstsein, unschuldig, gut und Opfer zu sein.
  4. Sebastian: Trojanische Pferde der Wokeness, Homo duplex am 9. Februar 2021
    Dies ist ein Auszug aus dem Text "Psychologische Hebel der Wokeness", der in dem Buch "Im Schatten guter Absichten: Die postmoderne Wiederkehr des Rassen­denkens" vollständig zu lesen ist.
  5. Twitter: @rumpelwicht23 - 16. Aug. 2021 - 20:00 Uhr
  6. David French: The Great White Culture War, National Review am 8. August 2018
    Anreißer: Discussion of American cultural conflicts has to take place alongside pivotal conversations about race, not instead of them.
    Die Erörterung amerikanischer Kulturkonflikte muss neben zentralen Gesprächen über Rassenfragen stattfinden, nicht an deren Stelle.
  7. Reiham Salam: The Utility of White-Bashing, The Atlantic am 6. August 2018
  8. 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 8,12 8,13 8,14 8,15 8,16 8,17 8,18 8,19 8,20 8,21 The preachers of the great awokening, Quillette[wp] am 21. September 2018
  9. 9,0 9,1 Christian Schmidt: Religion als Costly Signal, Alles Evolution am 19. Januar 2013
  10. Bo Winegard, Benjamin Mark Winegard: A social science without sacred values, Research Gate, Oktober 2015, DOI: 10.13140/RG.2.1.4542.5368
  11. Erik Wemple: Opinion: Face it, Tucker Carlson: Your anti-diversity segment was racist, Washington Post am 10. September 2018
  12. Bo Winegard: "Equalitarianism" and Progressive Bias, Quillette am 7. Februar 2018
  13. Anna North: After her US Open loss, Serena Williams had to manage other people's feelings about her. Again., Vox am 10. September 2018
    Anreißer: Serena Williams[wp] and Naomi Osaka[wp] played a devastating match. Then they had to deal with everyone else's emotions.
    Serena Williams und Naomi Osaka spielten ein dramatisches Match. Dann mussten sie sich mit den Emotionen der anderen auseinandersetzen.
  14. Elizabeth Adetiba: Serena Williams and the privilege of righteous anger, SB Nation am 10. September 2018
    Anreißer: The aftermath of the US Open shows us society has yet to reckon with the weight of race and gender at the same time.
    Die Reaktionen auf die US Open zeigen uns, dass die Gesellschaft noch nicht mit dem Zusammenspiel von Rasse und Geschlecht gerechnet hat.
  15. Bruce Bawer: The Victims' Revolution: The Rise of Identity Studies and the Closing of the Liberal Mind, Broadside Books, September 2012, ISBN 978-0061807374
  16. Bradley Campbell: The Rise of Victimhood Culture: Microaggressions, Safe Spaces, and the New Culture Wars, Palgrave Macmillan, Februar 2018, ISBN 978-3319703282
  17. Wikipedia: Manichäismus
  18. Sarah Leong und die "Ich habe mich nur verteidigt"-Verteidigung, Alles Evolution am 4. August 2018
    Die alte "Ich wurde angegriffen und habe mich gewehrt"-Verteidigung kombiniert mit "alles nur Satire" und "ich habe die imitiert".
  19. C. Anderson, J. A. D. Hildreth, L. Howland: Is the Desire for Status a Fundamental Human Motive? A Review of the Empirical Literature.[archiviert am 13. Juli 2018], Psychological Bulletin am 16. März 2015, http://dx.doi.org/10.1037/a0038781
  20. Murray Milner, Jr.: Status and Sacredness, A General Theory of Status Relations and an Analysis of Indian Culture
  21. Abgrenzung des alten Feminismus vom intersektionalen Feminismus, Alles Evolution am 4. Januar 2018
  22. Offensive[archiviert am 24. Dezember 2018], glaad.org
  23. Margaret Simms: Say African American or Black, but first acknowledge the persistence of structural racism, Urban Institute am 8. Februar 2018
  24. Kip Téllez: A word about names: Why I call myself a Mexican-American
  25. Social justice in the shadows, Quillette am 14. September 2018
  26. Conor Friedersdorf: How Americans Became So Sensitive to Harm, The Atlantic am 19. April 2016 (A recently published paper explains how "concept creep" in the field of psychology has reshaped many aspects of modern society. - Ein kürzlich veröffentlichter Artikel erklärt, wie die "schleichende Entwicklung von Konzepten" im Bereich der Psychologie viele Aspekte der modernen Gesellschaft verändert hat.)
  27. IDPOL und Privilegientheorien als Prisoners Dilemma, Alles Evolution am 2. Mai 2013
  28. Scott Atran: In Gods We Trust: The Evolutionary Landscape of Religion (Evolution and Cognition), Oxford University Press, November 2002, ISBN 978-0195178036
  29. Alles Evolution: Status macht attraktiv
  30. Pdf-icon-extern.svg A Decade of System Justification Theory: Accumulated Evidence of Conscious and Unconscious Bolstering of the Status Quo[ext] - John T. Jost, Mahzarin R. Banaji, Brian A. Nosek, 2004 (Political Psychology 25, Bd. 6: 881-919)
  31. Christian Schmidt: "Wokeness" und Signalling bzw. Statusaufbau, Alles Evolution am 23. September 2018

Querverweise