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Neurussland

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Der historische Begriff Neurussland bezeichnet das 1764 vom Russischen Zarenreich[wp] gegründete, erst nach dem siegreichen Krieg mit dem Osmanischen Reich[wp] von 1968 bis 1774 vollständig unter Kontrolle gebrachte und umfassend befriedete sowie zu Siedlungs­kolonisations­zwecken freigegebene Gouvernement[wp] im Gebiet der späteren Süd- und Südost­ukraine, einschließlich der Krim-Halbinsel. 1799 entstand das Neurussland-Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler und 1803 ein Kontor[wp] unter der Leitung des Herzogs von Richelieu[wp] für die Siedler im Gebiet von Odessa. 1804 übernahm er zusätzlich noch die Leitung des Neurussland-Fürsorgekontors. Im Jahr 1818 beaufsichtigte das Neurussland-Fürsorgekontor 84 Kolonien mit 17.000 Bewohnern und das Kontor in Odessa 44 Kolonien mit 15.500 Bewohnern. Nach Jahren der Massen­einwanderung von Siedlern aus zahlreichen Ländern wurde im Jahr 1819 die offizielle Anwerbung von Kolonisten eingestellt.[1]

1818 wurde die Verwaltung der Siedler reorganisiert und das Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler in Südrussland in Cherson gegründet, welches drei Niederlassungen in den Gouvernements Jekaterinoslaw[wp] (heute: Dnipro[wp]), Cherson (mit Odessa)[wp] und Bessarabien[wp] hatte, welche jeweils die wirtschaftlichen und rechtlichen Probleme in ihrem Gebiet regelten. Das Komitee bestand bis 1871 bis zur Abschaffung der Privilegien für die Kolonisten. Siedler wurden unter anderem auch im deutsch­sprachigen Raum angeworben, daraus entstanden die in verstreuten Ortschaften lebenden Schwarzmeer­deutschen[wp]. Viele Siedler in der Steppe Neurusslands westlich des Dnepr[wp] und südlich von Krementschug waren polnische Juden[wp]. Sie kamen vor allem von 1839 bis 1882 aus dem Gebiet des heutigen Belarus[wp] östlich von Mogilew[wp] am Dnepr, das durch die erste Teilung von Polen-Litauen[wp] im Jahre 1772 russisch geworden war.[2] Die Kolonisten blieben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegenüber den ukrainischen und russischen Bauern privilegiert. Sie hatten umfangreicheren Landbesitz, Steuer­privilegien und die Befreiung von Militärdienst erhalten.[3][4]

Einzelnachweise

  1. Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung - Geschichte - Zerfall. 2. Auflage. München 1993, ISBN 3-406-36472-1, S. 52.
  2. Julius Elk: Die Jüdischen Kolonien in Russland. Georg Olms Verlag, 1970.
  3. Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung - Geschichte - Zerfall. 2. Auflage. München 1993, ISBN 3-406-36472-1, S. 53.
  4. WikipediaNeurussland

Querverweise